Lieferlogistik zu den Top-Verkaufstage des Jahres
Thomas Becker, Head of GSA Tech bei Arvato
Top-Wertung für LG Kühl-Gefriekombinationen beim Stiftung Warentest.
Kaum eine Branche kennt so klar getaktete Nachfragespitzen wie die Consumer Electronics. Zu diesen Bestungsspitzen der Lieferlogistig schreiber Thomas Becker, Head of GSA Tech beim Lgistikdientleister Arvato. Zwischen Black-Friday-Rabattschlachten und den letzten Bestellungen vor Heiligabend entscheidet sich, ob neue Kopfhörer, Smart-Home-Geräte oder Spielekonsolen pünktlich unter dem Baum liegen. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie Logistikdienstleister diese Belastungsprobe heute organisieren.
Gerade im Bereich Consumer Electronics entstehen die größten Volumenspitzen selten zufällig. Produktlaunches, Modellwechsel und global getaktete Promotions wie Black Friday oder Prime Day treiben die Nachfrage ebenso an wie das klassische Weihnachtsgeschäft. Besonders anspruchsvoll ist dabei, dass diese Peaks oft kurzfristig und marketinggetrieben auftreten, aber sofortige Verfügbarkeit, Geschwindigkeit und Präzision verlangen.
Dabei sind es gerade die durch Launches getriebenen hohen Auslastungen, die für Logistikteams eine besondere Herausforderung sind. Ob ein neues Smartphone oder eine neue Konsolengeneration beim Marktstart tatsächlich erfolgreich ist, zeigt sich häufig erst kurz vorher. Kunden und Handel erwarten allerdings, dass die Ware exakt zum Launch-Termin verfügbar ist. Das funktioniert nur mit enger Abstimmung zwischen Hersteller und Logistikpartner, flexiblen Kapazitäten und der Fähigkeit, kurzfristig auf veränderte Forecasts zu reagieren.
Verbindliche Prognosen durch enge Abstimmung
Eine belastbare Peak-Planung beginnt mit einem iterativen Prozess. Kunde, Operations, Transport, Personalplanung und IT müssen dafür in engem Austausch bleiben und neue Entwicklungen laufend in die Planung einfließen lassen. Trotz aller Prognosemodelle bleibt die Erfahrung der Mitarbeitenden essenziell, denn sie erkennen Verschiebungen oft, bevor sich diese überhaupt in den Daten zeigen.
Die eigentliche Herausforderung liegt üblicherweise im Umgang mit den vielen unterschiedlichen Datenquellen, die Unternehmen heute zur Verfügung stehen. Entscheidend ist, diese Informationen richtig zu gewichten und daraus einen verbindlichen Forecast abzuleiten, anstatt sich hinter zusätzlichen Analysen zu verstecken. Wichtiger als ein perfekter erster Forecast ist ein transparenter Umgang mit Abweichungen. Wer Szenarien regelmäßig überprüft und kurzfristige Veränderungen zügig in Kapazitäts-, Personal- und Transportplanung übersetzt, bleibt auch bei veränderter Nachfrage handlungsfähig.
Automatisierung als Werkzeug
Automatisierung, Warehouse-Management-Systeme und digitale Tools helfen dabei, hohe Mengen stabil zu verarbeiten. Bei häufigen Sortimentswechseln und damit verbundenen Veränderungen in der Beschaffenheit der Artikel oder bei häufigen Volumenschwankungen durch marketingetriebene Nachfrage kann starre Automatisierung allerdings auch zum Nadelöhr werden. Aus diesem Grund braucht es die bewusste Entscheidung, welche Prozesse automatisiert und welche besser manuell abgewickelt werden, denn nicht jeder Prozess wird automatische besser, nur weil er automatisiert wird. Klassische Warehouse-Management-Systeme allein reichen ohnehin oft nicht mehr aus, weshalb digitale Zwillinge zunehmend zum Einsatz kommen, um Szenarien vorab durchzuspielen und unterschiedliche Lösungen zu simulieren und die beste Lösung zu finden, bevor sie physisch umgesetzt und der operative Prozess angepasst wird.
Wie viel Tempo und Präzision moderne Automatisierung tatsächlich bringt, beweisen einige Use Cases. So können beispielsweise autonome Entladeroboter das Entladen von Trailern und Containern ohne menschliche Unterstützung übernehmen. Auf diese Weise lassen sich Standzeiten an der Rampe reduzieren, die gerade in der Peak Season besonders teuer sind. KI-gestützte Kommissionierroboter können auch Artikel direkt in Versandkartons legen oder Retouren ins Lagersystem einspeisen, was die Fehlerquote bei hohem Bestellaufkommen zusätzlich senkt und Mitarbeitende entlastet, indem ihnen monotone und repetitive Aufgaben abgenommen werden. Ergänzt werden solche Systeme durch datenbasierte Analytik, die Muster in Forecast-Abweichungen, Kapazitätsauslastung und Bestandsentwicklung sichtbar macht.
Der Erfolgsfaktor
Erfolgreiche Vorbereitungen auf die Peak Season zeigen sich darin, dass alle Bereiche flexibel und eng miteinander verzahnt sind: Workforce Planning, Schichtmodelle, Transportkapazitäten, Wareneingang, Kommissionierung, Verpackung, Warenausgang und Transportsteuerung. Eine These aus dem Harvard Business Review zur „Triple-A Supply Chain“ bringt es auf den Punkt: Nur wer agile, anpassungsfähige und aufeinander abgestimmte Lieferketten aufbaut, behauptet sich gegenüber der Konkurrenz. Steigt die Nachfrage kurzfristig, muss schnell klar sein, wo zusätzliche Kapazität gebraucht wird und wie sie sich operativ wirksam einsetzen lässt.
Der Unterschied zwischen einer durchschnittlichen und einer wirklich erfolgreichen Peak Season liegt selten darin, dass alles exakt nach Plan läuft. Wichtig ist die Fähigkeit, auf Veränderungen einzugehen und dabei stabil zu liefern. Messbar wird das an harten operativen Kennzahlen wie SLA-Erfüllung, Durchlaufzeiten, Produktivität, Fehlerquoten, Bestandsgenauigkeit und der Einhaltung von Transport-Cut-offs. Ebenso zentral ist jedoch, wie gut ein Team auf Abweichungen reagiert hat, denn genau darin zeigt sich am Ende die tatsächliche Reife der Vorbereitung.
Transparenz ist essenziell
Es empfiehlt sich, früh in die Peak-Planung einzusteigen. Das bedeutet, vorhandene Daten konsequent zu nutzen, realistische Annahmen zu treffen und Unsicherheiten offen anzusprechen, statt sie zu glätten. Gemeinsam mit allen Beteiligten ein flexibles Setup aufzubauen, ist am Ende wirkungsvoller als jede noch so detaillierte Planung auf dem Papier.
Wenn am Ende doch alles rechtzeitig eintrifft, ist das selten dem perfekten Plan zu verdanken. Vielmehr ist es oft das Ergebnis von Transparenz, schnellen Entscheidungen und einem Team, das in der Lage ist, flexibel und schnell zu reagieren. Die richtigen Technologien und entsprechendes Know-how sind die Werkzeuge, die dazu beitragen, das beste Ergebnis für den Kunden zu erzielen.
