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CEplus-Infos im interaktiven CE-ePaper auf www.ce-trade.de 5 ZIELSCHEIBE 6-7/2020 Verlag P.O.S. Media GmbH Postfach 110932, 40509 Düsseldorf Telefon + 49 211 8284700 ce.info@ce-trade.de www.ce-trade.de www.hometec.de Chefredaktion Peter Lanzendorf Consumer Electronics, Home Appliances peter.lanzendorf@ce-trade.de Volker Wachs Foto + Digital Imaging Energie+Licht volker.wachs@ce-trade.de Redaktion Österreich Dr. Ludwig Flich Bäckerstraße 14, A-1010 Wien Tel./Fax +43 1 94 606 42 ludwig.flich@chello.at Redaktion Schweiz Martin Sigrist Seefeldstrasse 219, CH-8008 Zürich Telefon + 41 1 383 06 33 Fax +41 1 383 89 79 martin.sigrist@ce-trade.ch Mitarbeiter Ulf Schneider Autoren in dieser Ausgabe Hans Zippert, Orion Dahlmann Grafik und Layout Grit Röscher, Grenzach www.werbewerkstatt-röscher.de Gültig ist die Anzeigenpreisliste vom 1. Januar 2020 Erscheinungsweise 10 Ausgaben p. a. Abonnement Jahresabonnement 27,- Euro Druck druckriegel GmbH, Frankfurt Haftung Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos oder Datenträger wird keine Haftung übernommen. Für mit Namen oder Signatur gekennzeichnete Beiträge übernimmt die Redaktion ausschließlich die presserechtliche Verantwortung. Für den Fall, dass Beiträge oder Informationen unzutreffend sind, haftet der Verlag nur beim Nachweis grober Fahrlässigkeit. Urheberrecht Die veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Vervielfältigung sowie Speicherung (auch auszugsweise) sind ohne schriftliche Genehmigung des Verlages nicht gestattet. Verbreitete Auflage 16.126 4. Quartal 2019 Verkaufte Auflage 8.210 4. Quartal 2019 Erfüllungsort und Gerichtsstand: Düsseldorf D er Corona-Lockdown hat den CE-Handel ganz besonders getroffen. Wochenlang verschlossene Geschäfte trieben die Kun- den in den Online-Handel. Davon weiß auch Euronics-Fachhändler Jens Wittmer zu be- richten (Seite 16 in dieser Ausgabe). Und als es die ersten Lockerungen gab, freute man sich, wieder öffnen zu können. Wenn auch unter den erschwerten Bedingungen der neuen Hygienevorschriften. Na ja, es hatte ja alle getroffen, und keiner konnte für sein Geschäft aus der Krise Vorteile ziehen. Wirklich? Es hatte zwar alle getroffen, aber es gab einen, der daraus schnell Kasse machen wollte. Die Bundesregierung sollte, vertreten durch die KfW-Bank, Kreditanstalt für Wiederaufbau, die Wiederöffnung der Filialen von Media- Markt und Saturn finanzieren. D ie Dachorganisation der beiden CE-Discounter, die Elektronikhandelsholding Ceconomy, beantragt einen Kredit von 1,7 Milliarden Euro bei der staatlichen Förderbank KfW. Dabei drohte man hinter verschlossenen Türen auch gleich mit dem in Deutschland immer funktio- nierende Argument des Verlustes von Arbeitsplätzen. Damit ist nahezu alles zu rechtfertigen. Doch zu diesem Argument der „Großen“ möchte ich gerne eine Geschichte vom Sterben der „Kleinen“ erzählen. Krefeld in der Nähe von Düsseldorf galt einmal als die Seidenstadt. Eine Vielzahl kleiner Manufakturen verstand sich auf die Verarbeitung edler Seidenstoffe und ver- half der Stadt über Jahrzehnte hinweg zu einem noch heute in der Bausubstanz zu sehenden Reichtum. Doch davon ist nichts geblieben. Krefeld ist heute bitterarm. Billige Kunstfaser aus Fernost ersetzte die Seidenkrawatten, und ein Unternehmen nach dem anderen musste schließen. Politiker oder eine helfende KfW Bank? Fehlanzeige. Warum sollte man sich über die Schließung eines kleinen Unternehmens mit 20 oder auch 50 Mitarbeitern Gedanken ma- chen? D ieser Ausflug in die Vergangenheit zeigt, womit der CE-Einzelhandel zu rechnen hat, wenn es mal wirklich Probleme gibt. Nämlich mit nichts. Es dreht sich immer ja nur um Ein- zelfälle mit einer Handvoll Mitarbeitern. Wenn deren Chefs mit ihren Hausbanken sprechen, verlangt die Sicherheiten in gleicher Höhe des beantragten Kredits. Doch wenn er diese hätte, müsste er ja nicht bei der Bank vorsprechen. Viele Geschäftsleute haben das während Corona bitter erfahren müssen. Obwohl die KfW 90 Prozent eines Kredites garantierte, wei- gerten sich viele Banken, für die verbleibenden zehn Prozent einzustehen. Manche Bank war sogar so dreist, trotz den von der KfW gesicherten 90 Prozent, für die gesamte Kreditsum- me Sicherheiten zu fordern. D och zurück zu den 1,7 Milliarden für die Media-Markt/Saturn-Gruppe. Die Damen und Herren aus Ingolstadt müssen ja besonders kreditwürdig sein und über unermessliche Si- cherheiten verfügen. Denn sie satteln den KfW-Kredit von 1,7 Milliarden Euro auf ihre schon vorhandenen Schulden von 980 Millionen Euro drauf. Die haben sie sich bei verschiedenen Banken geliehen. Also hat Ceconomy ein Schuldenpaket von knapp 2,7 Milliarden Euro. Setzt man selbst extrem niedrige Zinsen von nur 1,8 Prozent an, macht das pro Tag 131.000 Euro Zinsen und aufs Jahr gerechnet ordentliche 48 Millionen Euro. Und da ist noch kein Cent Tilgung dabei. Da kann man doch nur die Leute auffordern: Kauft bei Media-Markt und Saturn, die brauchen das Geld. D och dem scheint nicht so zu sein. Unmittelbar nach der Wiederöffnung (und der Bewilli- gung des Kredits) freute sich Media-Markt, „Wieder Preise streichen macht Freude“. Da kann man schon nachvollziehen, wenn so manchem seriösen Fachhändler der Kragen platzt. Die Industrie wollte dazu keine Stellung beziehen. Man will die beiden großen Abnehmer nicht verärgern, und in seiner Preisgestaltung ist jeder Händler frei, dem UVP sei es gedankt. V ielleicht wären Bundesregierung und KfW Bank gut beraten, wenn sie genauer hinsehen würden und nicht das Plattmachen einer ganzen Branche finanzieren würden. Peter Lanzendorf Finanziert die Bundesregierung die Feinde des Fachhandels?

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