Neue Einstufung mit dem Energielabel 2021

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Es wird die Kunden verunsichern, das neue Energielabel 2021. Vorbei mit +++ und auf den ersten Blick sind alle Geräte schlechter. Warum?

Es gilt seit dem 1. März 2021, das neue Energielabel. Kühl- und Gefriergeräte, Spülmaschinen, Waschmaschinen, Waschtrockner, Monitore und Fernseher erhalten ein neues Energieeffizienzlabel. Die neuen Label haben nur noch die Effizienzklassen A bis G, ohne die bisherigen +++. Also eigentlich nichts Besonderes, einfach eine neue Einordnung in Leistungsklassen. Doch ganz so einfach ist es eben nicht. Was für EU-Behörden und Techniker logisch ist, verunsichert die Kunden. Hier kommt viel Gesprächsbedarf auf die PoS-Mitarbeiter zu. Denn Studien zur Folge nutzen 85 Prozent der Verbraucher die EU Energielabel, um ihre Kaufentscheidung zu treffen. Das Label ist dabei zwar immer nur ein Faktor – aber eben einer, der einen maßgebenden Einfluss haben kann, ähnlich stark wie der Preis des jeweiligen Gerätes.

Hatten sich die Kunden darauf eingestellt beispielsweise eine Waschmaschine der Energieeffizienzklasse A mit zwei- oder sogar dreimal +++ zukaufen, so finden sie die gleiche Maschine seit dem 1. März in der Klasse D. Also deutlich schlechter, oder doch nicht? An der Energieeffizienz hat sich nichts geändert, aber deren Bewertung erfolgt jetzt nach neuen und zusätzlichen Kriterien.

Es gibt es eine ungefähre Richtschnur für die neue Eingruppierung alter Geräte, endgültig aber ist die Einordnung erst nach einer Prüfung mit den jetzt neuen Kriterien. 
Aus A+++ wird in den meisten Fällen B
Aus A++ wird in den meisten Fällen C
Aus A+ wird in den meisten Fällen D
Aus A wird in den meisten Fällen E
Aus B wird in den meisten Fällen F
Aus C wird in den meisten Fällen G
Aus E wird in den meisten Fällen ebenfalls G

Die neue Energieeffizienzklasse A bleibt vorerst frei und würde derzeit auch von keinem der aktuellen Geräte erreicht. Das vom Gesetzgeber von Anfang an so konzipiert, die Klasse A soll in Zukunft den Fortschritt bei der Entwicklung der Geräte widerspiegeln.. Seit dem 1. 3.2021 wird es damit erst einmal keine Produkte mit der Energieeffizienzklasse A geben.

Zusätzlich gibt es zu jedem Energielabel einen QR Code, hinter dem der Verbraucher eine Menge weiterer Informationen zu dem Gerät selbst abrufen kann. So auch Informationen zur Nachhaltigkeit und dem Ressourcenverbrauch eines bestimmten Gerätes. Diese Informationen können mit dem Smartphone schnell und einfach in der europäischen Produktdatenbank „EPREL“ abgerufen werden. 

Waschmaschinen und Waschtrockner:Hier wurde das Prüfprogramm geändert. Der Energieverbrauch errechnet sich aus 100 Waschzyklen mit dem Waschprogramm „eco 40-60“. Geeignet für normal verschmutzte Textilien aus Baumwolle, Leinen oder Mischgewebe, die mit 40 bis 600c gewaschen werden können. Um die optimale Energieeffizienz zu erzielen, wird eine optimale Waschtemperatur für dieses Programm definiert. Diese Temperatur kann vom Kunden nicht geändert werden. Die tatsächliche Waschtemperatur ist in der Gebrauchsanleitung angegeben und kann aus Energieeinsparungsgründen abhängig von der Beladungsmenge von der ausgewählten Waschtemperatur abweichen. So entspricht die Waschwirkung den gesetzlichen Vorgaben.
Weitere Angaben auf dem Label beziehen sich auf die maximale Beladungsmenge, die Programmdauer bei eco 40-60, den Wasserverbrauch, die Schleudereffizienz und die Geräuschemission. 
Bei Waschtrocknern wird die ursprüngliche Skala von A bis G um weitere Kriterien erweitert und auf dem Label werden links die Bewertungen für den kompletten Zyklus Waschen und Trocken dargestellt, rechts die für den Waschvorgang, da dieser erfahrungsgemäß deutlich öfter genutzt wird.

Geschirrspüler: Auch hier basiert die Einordnung auf dem Programm „eco“, aber die Prüfnorm wurde geändert. Jetzt werden Tassen, Töpfe und Kunststoffutensilien für die Beurteilung eingesetzt, weil dies das Nutzerverhalten besser widerspiegelt.  Neu ist die Angabe der Dauer des Eco-Programms. Dieses Programm ist besonders umweltfreundlich, ideal für normal verschmutztes Geschirr und in der Kombination „Energie- und Wasserverbrauch“ das effizienteste Programm. Wie bei Waschmaschinen und Waschtrocknern basiert der Energieverbrauch auf 100 Reinigungszyklen.

Kühl- und Gefrierschränken: Hier wurden die Kriterien umfassend der tatsächlichen Nutzung angepasst. Dazu gehören die Art des Gerätes, sein Funktionsprinzip, die Raumtemperatur und Anzahl sowie Größe der Ablageflächen. Unverändert blieb der jährliche Energieverbrauch. Für den Kunden wichtige Informationen sind Gesamtnutzinhalt, alle Kühlfächer und, falls vorhanden, Gefrierfächer sowie die Geräuschemission. Vergleichbare Kriterien gelten jetzt auch für Weinkühlschränke.

Fernseher und Monitore: Hier wird es den größten Erklärungsbedarf geben. Die Werte des alten Labels sind mit denen des neuen nicht mehr vergleichbar, da sich die Mess- und damit die Einstufungskriterien geändert haben. So wurden die unterschiedlichen Darstellungsmodi berücksichtigt und es werden Verbrauchswerte für Standardwiedergabe und High Dynamic Range für einen Zeitraum von 1.000 Stunden angegeben. Im ausgeschalteten Zustand muss der Energieverbrauch eines Fernsehgeräts unter 0,3 W und im Standby-Modus unter 1 W liegen. Der Energieverbrauch von Fernsehgeräten im vernetzten Bereitschaftsbetrieb, d. h. einem Zustand, in dem sie über das Internet aktiviert werden können, darf seit 2017 nicht mehr als 3 W betragen. Fernsehgeräte müssen innerhalb von vier Stunden nach der letzten Nutzeraktion von selbst in den Standby-Modus oder den vernetzten Bereitschaftsbetrieb schalten. Außerdem zeigt das Label Angaben über Bildschirmdiagonale sowie horizontale und vertikale Auflösung in Bildpunkten. 

Wie sich die hinter dem neuen Label stehenden Ökodesign-Richtlinien auf die Weiterentwicklung der Bildqualität von TV-Geräten auswirken werden, kann zukünftig durchaus noch spannend werden. Die jüngste Generation von Displays hat eine 8K-Auflösung, also viermal mehr Bildpunkte als die aktuell am besten verkauften Ultra-HD TVs. Je mehr Pixel, also Bildpunkte, ein Display hat, umso mehr Fläche beanspruchen auch die Zwischenräume um die Pixel herum. Und diese Zwischenräume „schlucken“ Licht, also Energie. So besteht aktuell das Risiko, dass die von ihrer Detailauflösung her hochwertigsten Displays den Vorgaben des Ökodesigns nicht mehr entsprechen. Würde ein Gerät die G-Kategorie verfehlen, müsste es theoretisch eigentlich vom Markt genommen werden.

 Dr. Sara Warneke, Geschäftsführerin der gfu Consumer & Home Electronics.

„Das neue Effizienzlabel sorgt für eine verbesserte Verbraucherinformation und steigert gleichzeitig den Einsatz der Hersteller weiter stark in die Entwicklung nachhaltiger Produkte zu investieren. Das sind zwei sehr positive Effekte“, kommentiert Dr. Sara Warneke, Geschäftsführerin der gfu Consumer & Home Electronics GmbH, den anstehenden Wechsel der Label-Kriterien. Gleichzeitig gibt sie aber zu bedenken: „Bei den aktuellen Kriterien wird es aber speziell für die TV-Hersteller eine große Herausforderung darstellen, das Ziel Steigerung der Bild- und Tonqualität mit den Vorgaben zur Energieeffizienz in Einklang zu bringen. Es kann nicht im Sinne der Konsumentinnen und Konsumenten sein, wenn am Ende Qualität und Erlebnis durch beeindruckende Bilder und tollen Kinosound auf der Strecke bleiben.”

www.deutschland-machts-effizient.de/energielabel

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