Smart Home: Sicherheit, Komfort und Energieeffizienz – aber auch Befürchtungen

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Beim Verlassen des Büros mit einem Fingerwisch auf dem Smartphone das Zuhause auf Komforttemperatur bringen, per App den Hinweis bekommen, dass gerade die Wohnungstür geöffnet wurde oder mit dem Tablet die Wohnzimmerbeleuchtung mit einem Klick von „hell“ auf „gemütlich“ umschalten – solche und viele andere Szenarien sind längst keine Utopie mehr. Es sind konkrete Anwendungen, wie sie sich mit inzwischen im Handel weit verbreiteten smarten Komponenten umsetzen lassen. Welche smarten Nutzen sich die Verbraucher tatsächlich wünschen und wo sie eher zurückhaltend sind, waren Fragestellungen einer repräsentativen europaweiten Studie, die im Auftrag der gfu Consumer & Home Electronics GmbH im Mai dieses Jahres von Value_A Marketing Intelligence durchgeführt wurde. 5.000 Haushalte in den größten europäischen Ländern (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien) wurden befragt.

Minderheit nutzt smarte Funktionen: In drei von vier (74 %) der deutschen Haushalte gibt es derzeit einen Internet-Router, 84 Prozent verfügen über ein Smartphone und genau die Hälfte besitzt einen Tablet-PC. Es bestehen also beste Voraussetzungen, das Zuhause per App, Tablet und Smartphone zu steuern und damit für mehr Energieeffizienz, Sicherheit und Komfort in den eigenen vier Wänden zu sorgen. Die tatsächliche Nutzung smarter Funktionen hält sich aber noch in Grenzen. Erst knapp drei Prozent der Haushalte nutzen beispielsweise derzeit eine smarte Heizungssteuerung. Doch immerhin knapp 20 Prozent sagen, dass sie eine solche Funktion auf jeden Fall nutzen würden, weitere 27 Prozent sehen diese Anwendung grundsätzlich eher positiv als negativ. Die Befürworter und die Ablehner einer smarten Heizungssteuerung halten sich in Deutschland also die Waage. Jedoch ist die Offenheit für smarte Lösungen stark abhängig vom Alter der Befragten. In der Gruppe der 16 bis 39-jährigen liegt die Zustimmung, beziehungsweise Nutzung der smarten Heizungssteuerung bei 72 Prozent, bei den über 60-jährigen gerade einmal bei 31 Prozent.

Bei weiteren smarten Nutzungsmöglichkeiten zeigt sich das Land ebenfalls gespalten. Erst zwei Prozent steuern ihr Licht per App, weitere 45 Prozent empfinden die Möglichkeit, das Licht über das Smartphone an- und abzuschalten oder die Lichtfarbe zu wählen gut. Zwei Prozent sind per App mit ihrer Waschmaschine verbunden, 34 Prozent sind offen für solch eine Anwendung. Den Kühlschrank an das Netz zu bringen, um sich über dessen Inhalt zu informieren, können sich 63 Prozent für die eigene Küche nicht vorstellen. Bei den über 60-jähigen liegt die Ablehnung für diese Funktion sogar bei fast 84 Prozent. Besonders gravierend fällt die altersabhängige Einstellung zu smarten Funktionen im Bereich der Sicherheitstechnik aus: Während bei den 16 bis 39-jährigen mehr als 80 Prozent durch Sensoren über Rauchentwicklung, Wasserschäden oder Zutritt in ihr Haus über ihr Smartphone alarmiert werden wollen, lehnen mehr als die Hälfte der über 60-jährigen Alarmfunktionen dieser Art ab. Ähnlich sieht es bei der Kameraüberwachung des Zuhauses aus: 70 Prozent Zustimmung oder bereits vorhandene Nutzung bei den 16 bis 39-jährigen, 63 Prozent Ablehnung bei den über 60-jährigen.

Ältere lehnen Smart ab: „Ein überraschendes Ergebnis dieses Teils unserer Studie ist, dass gerade in der älteren Generation eine recht hohe Ablehnung gegenüber smarter Sicherheitstechnik besteht. In der Regel haben ja gerade die Älteren ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis, während die Jüngeren eher entspannter mit Themen der häuslichen Sicherheit umgehen“, kommentiert Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender der gfu, dieses Teilergebnis der Studie und ergänzt: „Wir sehen hier großes Potenzial für den beratenden Fachhandel und die Industrie. Die ältere Generation ist eine kaufstarke Zielgruppe und der Markt bietet eine breite Auswahl von nutzerfreundlichen Produkten. Wichtig ist nun, eventuelle Befürchtungen auszuräumen und aufzuzeigen, welche Vorteile smarte Vernetzung mit sich bringt.“

Vernetzung bereitet Sorgen: Tatsächlich scheint es die Furcht vor zur komplexer Technik zu sein, die an mancher Stelle zu Kaufzurückhaltung führt. Ein großer Teil der Befragten sowohl in Deutschland als auch im restlichen Europa ist zwar überzeugt, dass Vernetzung dabei unterstützt, Energie zu sparen (Deutschland und Europa 39 %), die Sicherheit im Haushalt zu erhöhen (Deutschland 43 % / Europa 46 %) und den Alltag zu vereinfachen (Deutschland 37 % / Europa 42 %). Doch gleichzeitig räumen auch viele der Befragten ein, dass die zunehmende Vernetzung ihnen Sorgen bereitet, da sie sich von der komplexen Technik manchmal überfordert fühlen. 40 Prozent der Befragten in Deutschland und in Europa stimmen dieser Aussage zu. Und ein weiterer Aspekt bremst die Freude an der Vernetzung: Immerhin 59 Prozent der Europäer (61 Prozent der Deutschen) sehen die Gefahr, dass Fremde von außerhalb die Steuerung eines vernetzten Zuhauses übernehmen könnten.

Dazu Hans-Joachim Kamp: „Wie fast jede Technologie ist auch die digitale Vernetzung nicht unumstritten. Die Anbieter müssen weiter hart daran arbeiten, die Lösungen so einfach wie möglich aber auch so sicher wie nur irgend möglich zu gestalten, damit die gewonnenen Vorteile beim Konsumenten mehr ins Gewicht fallen als die Bedenken.“ Weitere Ergebnisse der europaweiten Studie, die im Auftrag der gfu Consumer & Home Electronics GmbH im Mai dieses Jahres durchgeführt wurde, stellt Hans-Joachim Kamp im Rahmen der Veranstaltung gfu Insights & Trends am 5. Juli 2016 in Berlin vor. gfu Insights & Trends mit dem Titel „Digital Lifestyle – Trends und Visionen“ eröffnet das zweitägige Präsentationsprogramm IFA Innovations Media Briefing. Hier geben rund 30 führende Aussteller acht Wochen vor dem Start der IFA 2016 eine Vorschau auf ihre Neuheiten und Trends. Die Veranstaltung wird von mehr als 300 Medien-Vertretern besucht.

www.gfu.de

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